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Literaturseminar: Das Banat als Herkunftsbezug und Thema.

Autorenbild: Astrid ZieglerAstrid Ziegler

Gruppenbild

Die Autoren und Autorinnen der Tagung v.l.n.r.: Pop Traian (Ludwigsburg), Helmuth Frauendorfer (Fürth), Edith Ottschofski (Berlin), Ilse Hehn (Ulm), Horst Samson (Neuberg), Dagmar Dusil (Bamberg), Astrid Ziegler (München), Anton Sterbling (Fürth), Werner Kremm (Reschitza/Großsanktnikolaus), Hellmut Seiler (Backnang)


Anton Sterbling: Rückkehr aus dem Klimadelirium und die merkwürdige Begegnung mit Nikolaus Lenau in Wien

Surreal und  satirisch ging es in der Lesung von Anton Sterbling aus seinem neuen Buch zu, das in kein Schema passt. Die verrückte Reise eines gebeutelten Professors in der Midlife Crisis nach Südosten in die Gefilde der Aktionsgruppe Banat, in deren Verlauf nichts unmöglich ist. Ein Wundermönch, der ewig lebt und sich in eine schwarze Katze verwandeln kann, verführende und furchterregende Frauen, verstorbene Autoren, die zum Leben erwachen, Banater Autoren, die zu Romanfiguren werden. Ein Bestiarium, in dem ordentlich vom Leder gezogen wird…


Edith Ottschofski: saumselige annäherung Ältere und neuere Gedichte.

Die Poesie von Edith Ottschofski kommt deskriptiv-prosaisch daher und endet oft mit einem Paukenschlag, der das meist kurze und prägnante Gedicht nachträglich enträtselt. 

Herrlich die Verse in Temeswarer Mundart, die lange unbenutzte, doch unvergessene Worte aus dem Hirnkastl wieder hervorholten.


Die Lesung aus dem neuen Roman von Dagmar Dusil nahm mit in das Rumänien der 80er Jahre und ließ das Lebensgefühl der damaligen Zeit erahnen. Doch es geht in dem Buch um mehr: die Geschichte zweier jungen, einst adoptierten Frauen, die mit aller Kraft eine musikalische Karriere einschlagen wollen, enthält auch Rückschläge. Werden sie Erfolg haben oder scheitern? Das blieb am Ende der Lesung unaufgelöst und macht neugierig auf den Roman, dessen Geheimnis laut Dagmar Dusil erst auf der letzten Seite gelüftet wird.


Ilse Hehn: ...ginge verloren die Wärme der Welt - Unveröffentlichte Gedichte

Die Grande Dame der rumäniendeutschen Literatur, wie Ilse Hehn von Horst Samson zutreffend bei der Anmoderation genannt wird, kann aus einem enormen Repertoire schöpfen. Wir hörten sprachgewandte Gedichte und sahen dazu auch abstrakte Malereien und Übermalungen der vielfach begabten Künstlerin.


Traian Pop: Bastion. Gedichte, Prosa

Traian Pop, der nicht nur Verleger ist, sondern auch selbst zur Feder greift, las aus seinen eigenen Werken. Besonders anzuerkennen ist, dass Pop (auch) auf deutsch schreibt, das nicht seine Muttersprache ist.


Fotos des Autors aufgenommen im tiefsten Lockdown versehen mit Texten, die Isolation und die Bedrückung der Coronazeit förmlich greifbar und wieder erfahrbar machen. Eine äußerst gelungene künstlerische Annäherung an ein Phänomen, dessen gesellschaftliche Aufarbeitung noch auf sich warten lässt.


Hellmut Seiler: Klopstock, Kant, Kafka und ich.

Mehr als epigonal und chamäleonhaft sind die im Stil der drei großen K, Klopstock, Kafka, Kant, von denen jeder heuer ein Jubiläum hat, verfassten Werke Seilers. Sie enthalten seinen subtilen Humor und tragen seine sprachlich makellose Handschrift.


Werner Kremm: Wie der Rezsö Halle zum Rudolf Halle wurde

Lesung der Übersetzung aus Viaţa şi întoarcerea unui Halle von Alexandru Potcoavă

Werner Kremm, die Edelfeder (Zitat von Horst Samson aus einem früheren Seminar) des deutschen Journalismus in Rumänien präsentierte diesmal eine Geschichte aus seiner Übersetzertätigkeit aus dem Rumänischen. Ein Schwank über einen jüdischen Händler aus Halle, der durch seine Pfiffigkeit die Juden aus Halle vor der Ausweisung rettete.

Eine Lesung, die Sorgenfalten glättete und Lachmuskeln beanspruchte. 


Horst Samson hat den Autoren, die er anmoderierte, schon so manchen einfallsreichen und passenden Titel verliehen. Nun ist es an der Zeit auch ihn zu würdigen. 

Pünktlich um 9:00, zeitgleich mit der Andacht in der Kapelle im Heiligenhof, betrat im Seminarraum Samson, der Lyrik-Papst aus dem Banat, das Rednerpult, das damit quasi zur Kanzel wurde. Er las ausdrucksstark mit sonorer Stimme sein großes Epos La Victoire, das auch mit biblischen Anspielungen gespickt, virtuos die Endzeit der kommunistischen Diktatur und den Auszug der auserwählten in den gelobten Westen, in die ersehnte Freiheit, poetisch heraufbeschwor.


Schnaps, das sollte nicht ihr letztes Wort sein, vielmehr ging es um Selbstgebrannten in ihrem ersten Beitrag. Astrid Ziegler enthüllte die Geschichte hinter der 3-Liter-Flasche, deren Inhalt Autoren und Teilnehmer am Rand der Tagung wie ein soziales Schmiermittel zusammengebracht hatte. Den Titel des Seminars ernst nehmend stellte sie den Herkunftsbezug zum Banat her, was Mode und Mythen betrifft.


Banat-Tour: Hinter den beiden Worten verbirgt sich inzwischen ein richtiger Mikrokosmos mit Banat-Bezug.



Werner Kremm liest Gedichte und Texte von Albert Bohn

Last but not least: Albert Bohn, Poet und jüngstes Mitglied der Aktionsgruppe Banat, der leider nicht persönlich anwesend sein konnte. Werner Kremm las Werke des sensiblen und bescheidenen Autors, dessen Gedichte unvergesslich sind. Auch die Familiengeschichte des aus großbürgerlichem Haus stammenden Bohn verursacht Gänsehaut. Bleibt zu hoffen, dass er nächstes Mal dabei sein wird. Die delegierte Lesung bildete den würdigen Abschluss der Tagung.


Studienleiter Gustav Binder (stehend) moderierte die Diskussion souverän, witzig und mit viel Sinn für Gemeinschaft.  Gustav Binder blickte mal wieder auf einen vollen Seminarraum. Crossover lautet sein Geheimnis für eine ausgebuchte Tagung. Im Publikum befanden sich neben den Teilnehmern aus dem Banat auch Siebenbürger Sachsen, Sudetendeutsche, Donauschwaben, Rumänen und Ostpreußen und nicht zuletzt auch Deutsche ohne Migrationshintergrund.


An die Flasche geheftet das kürzeste Gedicht des Seminars:


Die Seminarteilnehmer in der Bildungs- und Begegnungsstätte Der Heiligenhof in Bad Kissingen vom 5. bis 7. April 2024

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